Reichenauer Zipfel –
Entstehungsgeschichte
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte die Gegend um Reichenau zu Deutschland. Zwar lag sie schon damals im Grenzgebiet, doch war sie keine Landzunge, weil die Grenze zur Tschechoslowakei, die sich mit der früheren (bis 1918) Grenze zu Österreich-Ungarn deckte, nur östlich und südlich der Stadt verlief. In diesem Abschnitt bildete sie keine Sprachgrenze, denn auch die nahe gelegenen nordböhmischen Städte und Orte waren mehrheitlich von Deutschen bewohnt.
Die Landzunge um Reichenau resultierte aus den Potsdamer Beschlüssen im Sommer 1945, als die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges beschlossen, die deutschen Gebiete östlich der Oder und der Lausitzer Neiße unter polnische Verwaltung zu stellen. Dadurch entstand ein von drei Seiten von fremdem Gebiet umgebener polnischer Zipfel. Im Süden und im Osten grenzt er an die Tschechische Republik (bis 1993 an die Tschechoslowakei) und im Westen an Deutschland (zwischen 1949 und 1990 an die DDR). Aufgrund der Lage östlich der Neiße wurde die Gegend um Reichenau als einziger Teil Sachsens 1945 von Deutschland abgetrennt. Mit dem restlichen Polen verbindet die Landzunge nur ein ca. drei Kilometer breiter Landstreifen im Norden, über den eine Straße in Richtung Zgorzelec verläuft.
Noch bevor in Potsdam die Entscheidung über die Grenzen der polnisch verwalteten Gebiete und die Aussiedlung der Deutschen getroffen wurde, versuchte die polnisch-kommunistische Regierung vollendete Tatsachen zu schaffen, um die Argumentation für die Lausitzer Neiße als Polens neuer Westgrenze zu stärken. Aus diesem Grund wurde die deutsche Bevölkerung aus den Ortschaften des Zipfels (insgesamt ca. 24.000 Menschen) bereits im Juni 1945 in die westlich der Neiße gelegenen Gebiete zwangsweise ausgesiedelt. Seit der Vertreibung der Deutschen aus dem Raum Reichenau und den benachbarten tschechischen Gebieten sowie der Neubesiedlung des Zipfels durch Polen und Nordböhmens durch Tschechen bildet hier die Staatsgrenze zugleich eine ethnische und eine Sprachgrenze.
Bevölkerung: Seit der Neubesiedlung des Zipfels nach dem Zweiten Weltkrieg ist er von Polen bewohnt. Unter den Familien, die sich in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre in der Gegend niederließen, befanden sich sowohl Aussiedler aus den östlichen Woiwodschaften der Zweiten Polnischen Republik, die von der Sowjetunion annektiert wurden, als auch Polen aus den zentralen Regionen des Landes. Ein weiterer Zuzug erfolgte im Zusammenhang mit dem Ausbau der Industrie seit den 1960er Jahren. Zwischen 1949–1951 nahm Polen ca. 12.000 griechische Flüchtlinge auf. Als Anhänger der linken und kommunistischen Gruppierungen mussten sie nach dem Bürgerkrieg ihr Heimatland verlassen. Auch im Raum Reichenau wurden griechische Familien angesiedelt. Die meisten von ihnen wanderten jedoch in den 1960er bis 1980er Jahren zurück. 2020 hatte die Gemeinde Reichenau, die den gesamten Zipfel umfasst, knapp 22.000 Einwohner, wobei 16.500 auf die Stadt fielen.
Bergbau: Die Landschaft der Reichenauer Landzunge haben das Braunkohlebergwerk „Turów” und das Kraftwerk „Turów” nachhaltig geprägt. Der Tagebau und die Halden machen einen bedeutenden Anteil an der Gesamtfläche der Gemeinde Reichenau aus. Infolge der Ausdehnung des Bergwerkes verschwanden seit den 1960er Jahren mehrere Ortschaften vollständig oder fast vollständig, darunter Friedersdorf/Biedrzychowice Górne, Reibersdorf/Rybarzowice und Zittel/Pasternik. Die Braunkohleförderung hat hier eine lange Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Reichenau und Umgebung mehrere kleine Bergwerke.Architektonisches Markenzeichen: In der Innenstadt von Reichenau aber auch in vielen kleineren Orten der Umgebung sind viele für diesen Teil der historischen Lausitz typische Umgebindehäuser erhalten geblieben. Charakteristisch für sie ist die bauliche Trennung des Erd- und Obergeschosses. Laut Überlieferung gewährleistete eine solche Konstruktion, dass die durch den Webstuhl erzeugten Erschütterungen nicht auf die übrigen Räume übertragen wurden.
Südlich von Großporitsch/Porajów befindet sich am Zusammenfluss der Lausitzer Neiße (poln. Nysa Łużycka, tschech. Lužická Nisa) und des Ullersbachs (poln. Lubota, tschech. Oldřichovský potok) ein Punkt, an dem die Grenzen Deutschlands, Polens und der Tschechischen Republik aufeinandertreffen. Auf tschechischer Seite stehen ein Obelisk und ein Glockenturm. Am polnischen Ufer erinnert ein Gedenkstein an den Beitritt Polens und Tschechiens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 und an die Zusammenarbeit des deutschen Zittau, des polnischen Reichenau/Bogatynia und des tschechischen Grottau/Hrádek nad Nisou. Einen Tag vor der Aufnahme der beiden Nachbarländer Deutschlands in die EU fanden am Dreiländereck Feierlichkeiten statt, an denen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der polnische Premierminister Leszek Miller und der Ministerpräsident der Tschechischen Republik, Vladimír Špidla, teilnahmen.
Heute ist das Dreiländereck eine touristische Attraktion. Von der polnischen Seite zur tschechischen führt eine Brücke. Die Himmelsbrücke, die das polnische und das deutsche Ufer der Neiße verband, wurde wegen Einsturzgefahr 2013 abgerissen.
Unweit des Dreiländerecks verläuft auf polnischer Seite die Allee der Drei Staaten (Aleja Trzech Państw), die von der deutsch-polnischen Grenze zur polnisch-tschechischen Grenze führt. Die 1.500 Meter lange Straße gehört zu den ultimativen Sehenswürdigkeiten des Reichenauer Zipfels:Sie ermöglicht den Autofahrern eine Reise, bei der man innerhalb von etwas mehr als einer Minute Deutschland, Polen und Tschechien besuchen kann.
Im Reichenauer Land gibt es mehrere durch Staatsgrenzen geteilte Orte. Das am südlichen Ende des Zipfels gelegene Ullersdorf – heute polnisch Kopaczów und tschechisch Oldřichov na Hranicích/Böhmisch Ullersdorf – wurde bereits nach dem Prager Frieden 1635 in einen sächsischen und einen böhmischen Bereich geteilt. In ihrer jetzigen Form wurde die Grenze dort jedoch erst 1848 gezogen, als Sachsen und Österreich einen Vertrag zur Bereinigung der unüberschaubaren Grenzverhältnisse abschlossen. Infolgedessen wurden viele bis dahin bestehende En- und Exklaven beider Staaten aufgelöst. Seitdem bilden der Ullersbach (poln. Lubota, tschech. Oldřichovský potok) und eine Straße die Staatsgrenze. Der nördlich davon gelegene Teil von Ullersdorf (Oberullersdorf) lag zunächst in Sachsen und nach 1871 im vereinten Deutschland. Seit 1945 ist er polnisch. Der ehemals österreichische Ortsteil (Böhmisch Ullersdorf) gehört seit 1918 zur Tschechoslowakei bzw. zur Tschechischen Republik. Eine Ausnahme stellte lediglich die Periode von 1938 bis 1945 dar, als er sich nach dem Münchner Abkommen innerhalb der deutschen Grenzen befand. Bis 1945 lebte auf beiden Seiten deutsche Bevölkerung. Seit ihrer Vertreibung und der Neubesiedlung dieser Gegend durch Polen und Tschechen ist die den Ort zerschneidende Staatsgrenze zugleich eine Sprachgrenze. In der kommunistischen Zeit wurde die Grenze hier zum ersten Mal in der Geschichte zu einem Hindernis für die Bewohner beider Dorfteile. Sie konnte weder im Ort noch in seiner Nähe auf legalem Weg passiert werden. Damit der Grenzschutz einen Überblick über die gesamte Ortschaft hatte, wurden mehrere Wachtürme errichtet. Obwohl Ullersdorf seit mehreren Jahrhunderten geteilt ist, bildet es nach wie vor eine geschlossene Struktur. Deswegen ist der Grenzverlauf manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Eine Merkwürdigkeit stellt die Hauptstraße des Dorfes dar. Als 1918 der bis dahin österreichische Teil des Ortes an den neuen Staat Tschechoslowakei angeschlossen wurde, erklärte man sie zur neutralen Zone. Da aber in Deutschland Rechts-, in der Tschechoslowakei dagegen Linksverkehr herrschte, musste man sich auf eine Kompromisslösung einigen. Diese sah vor, dass auf der Dorfstraße deutsche Verkehrsregeln galten.
Auch in Weigsdorf (polnischer Teil: Wigancice Żytawskie, tschechischer Teil: Višňová) tauchte die Staatsgrenze zum ersten Mal 1635 auf, als Böhmen gezwungen wurde, die Oberlausitz an Sachsen abzutreten. Und wie in Ullersdorf wurde ihr Verlauf erst mit dem sächsisch-österreichischen Vertrag von 1848 endgültig festgelegt. Fortan lag der westliche Teil des einst großen und langgezogenen Dorfes in Sachsen (später in Deutschland), der östliche in Österreich (seit 1918 in der Tschechoslowakei). Zwar bildete die Trennlinie schon in der Zwischenkriegszeit eine Zollgrenze, doch stellte sie für die lokale Bevölkerung keine Barriere dar. Nachdem der bis dahin deutsche Teil von Weigsdorf 1945 von der polnischen und Böhmisch Weigsdorf nach siebenjähriger Zugehörigkeit zu Deutschland wieder von der tschechoslowakischen Verwaltung übernommen worden war, kam es zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung und zur Schließung der Grenze. 1958, als in der Gegend bereits Polen und Tschechen lebten, wurde in dem Ort eine Grenzkorrektur vorgenommen. Das zu Polen gehörende Gelände, auf dem sich die Dorfkirche und einige weitere Gebäude befanden, wurde im Rahmen eines Gebietsaustauschs an die Tschechoslowakei abgetreten.
Heute existiert nur der tschechische Teil des Ortes – der polnische ist eine Wüstung. 1999 mussten ihn dessen Bewohner im Zusammenhang mit der Erweiterung einer Abraumhalde des Braunkohlebergwerks „Turów“ verlassen. Fast alle Gebäude des früheren sächsischen Weigsdorf wurden abgerissen.
Im Jahr 1945 wurde auch die Stadt Zittau geteilt. Die Staatsgrenze trennt ihr Zentrum von dem ehemaligen Stadtteil Großporitsch/Porajów. Da dieser am östlichen Neißeufer lag, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg kraft internationaler Beschlüsse unter polnische Verwaltung gestellt. Heute gehört der Ort mit etwa 1.500 Einwohnern zur Gemeinde Reichenau.
1875 wurde die Neißetalbahn in Betrieb genommen, die eine direkte Verbindung von Zittau nach Görlitz gewährleistete. Viermal überquert die Trasse die Lausitzer Neiße/Nysa Łużycka, was bis 1945 freilich kein Hindernis darstellte, weil sich auf beiden Seiten des Flusses deutsches Staatsgebiet erstreckte. Als das östliche Ufer polnisch wurde, wurde der Betrieb zunächst eingestellt. Schon seit 1948 durften aber die deutschen Züge einen Transitkorridor durch die nun polnischen Abschnitte nutzen, allerdings ohne dort anzuhalten. Zu einer Kuriosität wurde der Bahnhof der auf deutscher Seite verbliebenen Stadt Ostritz. Da er östlich der Neiße lag, befand er sich seit der neuen Grenzziehung auf polnischem Gebiet und hieß – abgeleitet von dem nächsten polnischen Ort – Krzewina Zgorzelecka/Grunau. Der 1959 zwischen der DDR und Polen geschlossene Vertrag ermöglichte die Nutzung dieses nur knapp hundert Meter von der Grenze entfernten Bahnhofs durch deutsche Reisegäste. Anfangs wurden sie von bewaffneten polnischen Grenzsoldaten nach Ostritz hinein bzw. zur Grenzbrücke hin begleitet. Später wurde der Weg vom Bahnsteig zur Brücke umzäunt, der Ablauf blieb aber nach wie vor vom polnischen Grenzschutz bewacht. Nach dem Fall des Kommunismus wurde 1993 in der Nähe des Bahnhofs ein Grenzübergang für den kleinen Grenzverkehr eröffnet. Mit dem Beitritt Polens zum Schengener Raum im Dezember 2007 fielen die Grenzkontrollen zwischen Ostritz und Grunau weg. Heute halten in Grunau täglich etwa 35 Züge der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH.
Die Transitstrecke hat eine Länge von zirka 12,5 Kilometern und besteht aus zwei Abschnitten, die auf einer Läge von 260 Metern durch deutsches Gebiet voneinander getrennt sind. Die Trasse wurde jahrzehntelang parallel auch von polnischen Zügen befahren, weil sie Anschluss an das polnische Eisenbahnnetz hatte. 1957 entstand eine Umgehung des deutschen Abschnitts, die den Zügen der Polnischen Staatsbahn PKP eine transitfreie Fahrt von Reichenau nach Zgorzelec/Polnisch-Görlitz ermöglichte. Sie wurde bis 2000 von Personenzügen genutzt.
Eine weitere Eisenbahntransitstrecke verläuft durch den südwestlichen Teil des Zipfels. Die Linie, die die tschechischen Städte Reichenberg/Liberec und Grottau/Hrádek nad Nisou mit Zittau verbindet, führt dort auf 2,7 Kilometern über polnisches Staatsgebiet. Der Abschnitt, in dem sich kein Haltepunkt befindet, wird täglich von rund dreißig Zügen befahren. Ein charakteristischer Teil der Trasse ist der 1859 fertiggestellte Neißeviadukt, der mit seiner Länge von 745 Metern eine der größten und ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands war.
Bis in die 1990er Jahre gab nur drei Möglichkeiten, die Landzunge auf legalem Wege zu verlassen. Mit dem Zug in Richtung Zgorzelec (dem polnischen Teil von Görlitz), mit dem Auto oder Bus in Richtung Zgorzelec oder in die DDR über den Grenzübergang Sienawka-Zittau. Die Grenze zur Tschechoslowakei konnte man in der kommunistischen Zeit in dieser Gegend nicht passieren. Der Grenzübertritt in die DDR war fast die gesamte volksrepublikanische Zeit über mit bürokratischem Aufwand verbunden. Nur zwischen 1972 und 1980 duften die Bürger Polens und der DDR ohne Pass und ohne eine offizielle Einladung lediglich mit dem Personalausweis das jeweilige Nachbarland besuchen. Nachdem in Polen im Spätsommer 1980 die Solidarność-Bewegung entstanden war und eine Periode der politischen Liberalisierung eingesetzt hatte, kündigte die DDR-Regierung Ende Oktober desselben Jahres einseitig den pass- und visafreien Reiseverkehr. Somit wurde die Grenze erneut zu einer schwer überwindbaren Barriere.
Nach dem Fall des Kommunismus wurden im Zusammenhang mit der Aufhebung der Reiseeinschränkungen zwei Grenzübergänge in die Tschechische Republik (Bogatynia-Kunratice und Porajów-Hrádek nad Nisou) sowie eine weitere Grenzübergangsstelle in das mittlerweile vereinte Deutschland (Porajów-Zittau) eröffnet. Außer den allgemein zugänglichen Grenzübergängen gab es auch eine Reihe von Übergängen für den kleinen Grenzverkehr, die nur die Einwohner des polnisch-tschechischen bzw. deutsch-polnischen Grenzgebietes nutzen durften.
Mit dem Beitritt Polens und der Tschechischen Republik zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 fielen die Zollkontrollen weg, doch beim Grenzübertritt musste weiterhin der Reisepass oder der Personalausweis vorgezeigt werden. Seit der Aufnahme der beiden Staaten in den Schengener Raum am 21. Dezember 2007 darf die Grenze nach Deutschland und nach Tschechien an beliebiger Stelle ohne Kontrolle passiert werden. Der Reichenauer Zipfel ist seitdem von Grenzen umgeben, die kein Hindernis mehr darstellen. Die Grenzübergangsstellen verloren ihre frühere Funktion und wurden meistens abgetragen.
Die größten Arbeitgeber des Reichenauer Zipfels sind das Kraftwerk „Turów” und das Bergwerk „Turów”. Beide Unternehmen stellen zugleich die markantesten Elemente der dortigen Landschaft dar. Weder das 28 Quadratkilometer große Abbaufeld in der südwestlichen Ecke der Region noch die Abraumhalden im östlichen Teil, deren Ausdehnung zirka 22 Quadratkilometer beträgt, sind zu übersehen. Das Grubengelände und die Haldenmachen knapp 37 Prozent der Gesamtfläche der Gemeinde Reichenau aus.
Der intensive Kohleabbau ist mit diversen Belastungen verbunden. Auf tschechischer und – seltener – auf deutscher Seite wird behauptet, dass der Tagebau das Absinken des Grundwassers verursachen würde. Einwohner einiger polnischer, deutscher und tschechischer Ortschaften klagen zudem über Staub und Lärm, wogegen politische Grenzen kein Hindernis bilden. Vor allem die tschechischen Nachbarn kritisieren überdies die geplante Erweiterung des Bergwerkes, da sich das Grubengelände dann praktisch bis an die Staatsgrenze erstrecken würde. Die Kontroversen um den Betrieb des Bergwerkes führten 2021 zu einem diplomatischen Streit zwischen Polen und der Tschechischen Republik, bei dem sogar der Europäische Gerichtshof eingeschaltet wurde.
Die spezifische Lage und der – abgesehen von der Zeit der Pandemie – freie Grenzübertritt fördern auch kriminelle Aktivitäten. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen stieg die Zahl der Einbrüche auf deutscher Seite des Dreiländerecks deutlich. Die Polizei aller drei Länder arbeitet eng zusammen. Die zwischen Polen, Deutschen und Tschechien abgeschlossenen Verträge erlauben es den Beamten zum Beispiel, die Verfolgung Verdächtiger auf dem Gebiet des Nachbarstaates fortzusetzen. Außer den Diebstählen sind Drogenproduktion und grenzübergreifender Drogenhandel ein Problem. Seit dem Beitritt Polens und der Tschechischen Republik zum Schengener Raum 2007 spezialisierten sich einige kriminelle Gruppen auf massenweisen Schmuggel von Arzneimitteln und Rauschgift. Aus Arzneimitteln, die in großen Mengen in Polen erworben werden, stellen sie in Tschechien Drogen her, die dann in Deutschland in Umlauf gebracht werden.
Das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal gehört zu den wertvollsten historischen Objekten im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck. Gegründet wurde es bereits 1234 als Sühnestiftung der Königin Kunigunde von Böhmen. Der nahe Ort Ostritz, in dessen Grenzen St. Marienthal seit 1950 liegt, erhielt erst über 100 Jahre später das Stadtrecht. Während der Reformation hielten die Nonnen am katholischen Glauben fest und konnten dadurch die Umwandlung des Klosters in ein weltliches Damenstift verhindern. Seitdem bildet St. Marienthal ein Zentrum des katholischen Lebens in einer mehrheitlich protestantischen Gegend.
Im Jahr 1945 beabsichtigte die SS angesichts der anrückenden Front, das historische Ensemble zu sprengen. Doch weil die Nonnen sich weigerten, die Anlage zu verlassen, konnte das Kloster gerettet werden. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Lausitzer Neiße zur neuen deutsch-polnischen Grenze wurde, fiel ein Drittel des Gesamtbesitzes von St. Marienthal an Polen, wo er als „ehemals deutsches Eigentum“ vom Staat übernommen wurde. Dank der Gründung der Kirchlichen Landes- und Forstgemeinschaft konnte dagegen die Enteignung der Land- und Waldeigentümer des Klosters in den Gebieten westlich der Neiße verhindert werden, die sich nach 1949 innerhalb der Grenzen der DDR befanden. Das Kloster selbst überstand die kommunistischen Zeiten, weil ihm drei Jahre nach der Gründung des „Arbeiter- und Bauernstaates“ der Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft verliehen wurde.
Heute gilt St. Marienthal als ältestes aktives Zisterzienserinnen-Kloster Deutschlands. Es besteht ununterbrochen seit dem 13. Jahrhundert. Außer dem Orden beherbergt es das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal, ein Wohnheim für Behinderte und Gästezimmer für Touristen.
Worek Turoszowski – Historia powstania
Powstanie wysuniętego fragmentu terytorium wokół Reichenau było konsekwencją postanowień konferencji poczdamskiej latem 1945 roku, kiedy zwycięskie mocarstwa II wojny światowej zdecydowały o oddaniu pod polską administrację ziem niemieckich położonych na wschód od Odry i Nysy Łużyckiej. W rezultacie utworzył się polski „cypel“, otoczony z trzech stron przez inne państwa. Od południa i wschodu graniczy on z Republiką Czeską (do 1993 roku z Czechosłowacją), a od zachodu z Niemcami (w latach 1949–1990 z NRD). Ze względu na położenie na wschód od Nysy Łużyckiej okolice Reichenau zostały w 1945 roku jako jedyna część Saksonii odłączone od Niemiec. Z pozostałą częścią Polski obszar ten łączy jedynie pas lądu o szerokości około trzech kilometrów na północy, przez który biegnie droga w kierunku Zgorzelca.
Jeszcze przed podjęciem w Poczdamie decyzji o granicach terytoriów administrowanych przez Polskę i wysiedleniu Niemców, komunistyczny rząd Polski próbował wyprzedzić fakty, aby wzmocnić argumenty przesądzające o uznaniu Nysy Łużyckiej za nową zachodnią granicę Polski. Z tego powodu już w czerwcu 1945 r. niemiecka ludność z miejscowości położonych na obszarze Worka Turoszowskiego (niem. Reichenauer Zipfel) – łącznie ok. 24 000 osób – została przymusowo wysiedlona na tereny położone na zachód od Nysy. Od czasu wysiedlenia Niemców z rejonu Reichenau oraz z sąsiednich obszarów czeskich, a także ponownego zasiedlenia Worka Turoszowskiego przez Polaków i północnych Czech przez Czechów, granica państwowa stała się tu zarazem granicą etniczną i językową.
Ludność: Od czasu ponownego zasiedlenia Worka Turoszowskiego po II wojnie światowej obszar ten jest zamieszkany przez Polaków. Wśród osób, które osiedliły się w tym regionie po 1945 r., znajdowali się zarówno przesiedleńcy z wschodnich województw II Rzeczypospolitej, zajętych przez Związek Radziecki, jak i Polacy z centralnych regionów kraju. Kolejne fale napływu ludności miały miejsce w związku z rozwojem przemysłu od lat 60. XX wieku. W latach 1949–1951 Polska przyjęła około 12 000 uchodźców greckich, zwolenników lewicowych i komunistycznych ugrupowań, którzy po zakończeniu wojny domowej musieli opuścić swoją ojczyznę. Również w rejonie Reichenau (dzisiejszej Bogatyni) osiedlono greckie rodziny, choć większość z nich w latach 60.–80. XX wieku powróciła do Grecji. W 2020 roku gmina obejmująca cały Worek Turoszowski liczyła niecałe 22 000 mieszkańców, z czego 16 500 to ludność samej Bogatyni.
Górnictwo: Krajobraz Worka Turoszowskiego został w znaczący sposób ukształtowany przez kopalnię węgla brunatnego „Turów” oraz Elektrownię „Turów”. Wyrobiska odkrywkowe i hałdy zajmują istotną część powierzchni gminy Bogatynia. W wyniku rozbudowy kopalni od lat 60. XX wieku kilka miejscowości przestało istnieć lub pozostało w szczątkowej formie, jak Friedersdorf (Biedrzychowice), Reibersdorf (Rybarzowice) oraz Zittel (Pasternik). Wydobycie węgla brunatnego w tym rejonie ma długą tradycję – już w XIX wieku w Reichenau (dzisiejszej Bogatyni) i okolicach funkcjonowało kilka niewielkich kopalń.
Charakterystyczna architektura: W ścisłym centrum Bogatyni, a także w wielu mniejszych miejscowościach w okolicy (albo okolicznych), zachowało się wiele domów przysłupowych – tzw. Umgebindehäuser, typowych dla tych terenów historycznej Łużycy. Charakterystyczną cechą tych budynków jest oddzielenie parteru od piętra. Taka konstrukcja miała zapewnić wytłumienie drgań wywoływanych przez warsztat tkacki, by nie przenosiły się na pozostałe pomieszczenia.
Na południe od Großporitsch (Porajów), w miejscu, gdzie łączą się Nysa Łużycka (niem. Lausitzer Neiße, cz. Lužická Nisa) i potok Lubota (niem. Ullersbach, cz. Oldřichovský potok), znajduje się punkt styku granic Niemiec, Polski i Czech. Po czeskiej stronie ustawiono obelisk i dzwonnicę, po polskiej kamień upamiętniający przystąpienie Polski i Czech do Unii Europejskiej 1 maja 2004 roku oraz współpracę niemieckiego Zittau, polskiej Bogatyni (Reichenau) i czeskiego Hrádek nad Nisou (Grottau). Dzień przed przystąpieniem obu sąsiednich państw do UE na trójstyku odbyły się uroczystości z udziałem kanclerza Niemiec Gerharda Schrödera, premiera Polski Leszka Millera oraz premiera Czech Vladimíra Špidli.
Dziś trójstyk granic stanowi atrakcję turystyczną. Z polskiej strony prowadzi most w kierunku Czech. Most Nieba (niem. Himmelsbrücke), który łączył polski i niemiecki brzeg Nysy Łużyckiej, został rozebrany w 2013 roku ze względu na zagrożenie zawaleniem.
Nieopodal trójstyku, po polskiej stronie, biegnie Aleja Trzech Państw, prowadząca od granicy polsko-niemieckiej do granicy polsko-czeskiej. Droga o długości1,5 km należy do najciekawszych atrakcji turystycznych Worka Turoszowskiego: umożliwia podróż, podczas której w nieco ponad minutę można odwiedzić Niemcy, Polskę i Czechy.
W okolicach Bogatyni znajduje się kilka miejscowości podzielonych przez granice państwowe. Ullersdorf, położone na południowym krańcu – dziś polski Kopaczów i czeski Oldřichov na Hranicích (dawniej Böhmisch Ullersdorf) – zostało już po Pokoju zawartym w Pradze w 1635 roku podzielone na część saską i część czeską. Obecny przebieg granicy wytyczono jednak dopiero w 1848 roku, kiedy Saksonia i Austria zawarły umowę regulującą skomplikowane stosunki graniczne. W wyniku tego wiele wcześniejszych enklaw i eksklaw obu państw zostało zlikwidowanych. Od tego czasu granicę państwową wyznacza potok Ullersbach (pol. Lubota, cz. Oldřichovský potok) oraz pobliska droga. Północna część Ullersdorf (Oberullersdorf) należała początkowo do Saksonii, a po 1871 roku do zjednoczonych Niemiec. Od 1945 roku jest częścią Polski. Dawna część austriacka (Böhmisch Ullersdorf) od 1918 roku należała do Czechosłowacji, a później do Republiki Czeskiej. Wyjątkiem był okres 1938–1945, kiedy w wyniku układu monachijskiego miejscowość znalazła się w granicach Niemiec. Do 1945 roku po obu stronach granicy zamieszkiwała ludność niemiecka. Po jej wysiedleniu oraz ponownym zasiedleniu tej okolicy przez Polaków i Czechów, granica przecinająca miejscowość stała się jednocześnie granicą językową. W czasach komunistycznych granica ta po raz pierwszy w historii stanowiła przeszkodę dla mieszkańców obu części wsi. Nie można było jej przekroczyć w obrębie miejscowości ani w jej pobliżu w sposób legalny. Aby straż graniczna mogła mieć nadzór nad całą wsią, wzniesiono kilka wież strażniczych. Mimo wielowiekowego podziału Ullersdorf nadal zachowuje zwartą strukturę zabudowy, a przebieg granicy nie zawsze jest od razu zauważalny.
Szczególną osobliwość stanowi główna ulica wsi. W 1918 roku, gdy dotychczasowa austriacka część miejscowości została przyłączona do nowego państwa – Czechosłowacji, ulicę uczyniono strefą neutralną. Ponieważ jednak w Niemczech obowiązywał ruch prawostronny, a w Czechosłowacji lewostronny, trzeba było wypracować kompromis. Zgodnie z nim na ulicy obowiązywały niemieckie przepisy ruchu drogowego.
Również w Weigsdorf (część polska: Wigancice Żytawskie, część czeska: Višňová) granica państwowa pojawiła się po raz pierwszy w 1635 roku, gdy Czechy zostały zmuszone do odstąpienia Górnych Łużyc Saksonii. Podobnie jak w Ullersdorf, jej przebieg został ostatecznie ustalony dopiero na mocy traktatu sasko-austriackiego z 1848 roku. Od tego czasu zachodnia część niegdyś dużej wsi o wydłużonym kształcie należała do Saksonii (później Niemiec), a wschodnia do Austrii (od 1918 roku do Czechosłowacji). Choć w okresie międzywojennym linia podziału stanowiła granicę celną, dla lokalnej ludności nie była ona przeszkodą. Po 1945 roku, gdy dotychczasowa niemiecka część Weigsdorfu znalazła się pod polską administracją, a część czeska po siedmiu latach ponownie pod zarządem Czechosłowacji, doszło do wysiedlenia ludności niemieckiej i zamknięcia granicy. W 1958 roku, gdy w rejonie mieszkali już Polacy i Czesi, przeprowadzono korektę granicy. Teren należący do Polski, na którym znajdował się kościół wiejski i kilka innych budynków, został w ramach wymiany terytorialnej przekazany Czechosłowacji.
Obecnie zamieszkana jest jedynie czeska część miejscowości. W 1999 roku jej mieszkańcy musieli opuścić polską część w związku z rozbudową hałdy kopalni węgla brunatnego „Turów”. Prawie wszystkie budynki dawnego, saskiego Weigsdorf zostały rozebrane.
Również w 1945 roku podzielono miasto Zittau. Granica państwowa oddziela jego centrum od dawnej dzielnicy Großporitsch (dzisiejszy Porajów). Ponieważ znajdowała się ona na wschodnim brzegu Nysy Łużyckiej, po II wojnie światowej, na mocy decyzji międzynarodowych, została oddana pod polską administrację. Obecnie miejscowość licząca około 1 500 mieszkańców, należy do gminy Bogatynia.
W 1875 roku uruchomiono kolej Nyską (Neißetalbahn), która zapewniała bezpośrednie połączenie między Zittau a Görlitz. Trasa czterokrotnie przekraczała Nysę Łużycką (Lausitzer Neiße), co do 1945 roku nie stanowiło żadnej przeszkody, ponieważ po obu stronach rzeki rozciągało się terytorium Niemiec. Gdy wschodni brzeg stał się polski, ruch kolejowy został początkowo wstrzymany. Od 1948 roku niemieckie pociągi mogły jednak korzystać z korytarza tranzytowego przez polskie odcinki, lecz bez zatrzymywania się na stacjach. Osobliwością stała się stacja kolejowa w niemieckim Ostritz, która w wyniku nowego przebiegu granicy znalazła się po wschodniej stronie Nysy, na terenie Polski, i przyjęła nazwę Krzewina Zgorzelecka (niem. Grunau), od pobliskiej polskiej miejscowości. Traktat zawarty w 1959 roku między NRD a Polską umożliwił korzystanie z tego dworca niemieckim podróżnym, gdyż znajdował się on zaledwie około 100 metrów od granicy. Początkowo podróżni byli eskortowani przez uzbrojonych polskich strażników granicznych w kierunku Ostritz lub mostu granicznego. Później droga z peronu do mostu została ogrodzona, ale nadzorowana przez polską straż graniczną. Już po upadku komunizmu, w 1993 roku, w pobliżu stacji otwarto przejście graniczne dla małego ruchu przygranicznego. Wraz z przystąpieniem Polski do strefy Schengen w grudniu 2007 roku, kontrola graniczna między Ostritz a Grunau została zniesiona. Obecnie w Grunau codziennie kursuje około 35 pociągów Ostdeutsche Eisenbahn GmbH.
Trasa tranzytowa ma długość około 12,5 kilometra i składa się z dwóch odcinków, które są oddzielone od siebie na długości 260 metrów przez terytorium niemieckie. Przez dziesięciolecia trasą tą jeździły również pociągi polskie, ponieważ miała ona połączenie z polską siecią kolejową. W 1957 roku powstała obwodnica, która umożliwiła pociągom PKP przejazd z Reichenau do Zgorzelca/ (Görlitz). Była ona wykorzystywana przez pociągi pasażerskie do 2000 roku.
Kolejna kolejowa trasa tranzytowa przebiega przez południowo-zachodnią część Worka Turoszowskiego. Linia łącząca czeskie miasta Liberec (dawniej Reichenberg) i Hrádek nad Nisou (dawniej Grottau) z Zittau przebiega przez terytorium Polski na odcinku 2,7 km. W części, w której nie ma żadnego przystanku, codziennie kursuje około trzydzieści pociągów. Charakterystycznym elementem trasy jest wiadukt nad Nysą, ukończony w 1859 roku, który przy długości 745 metrów był jednym z największych i najstarszych mostów kolejowych w Niemczech.
Do lat 90. XX wieku istniały jedynie trzy legalne sposoby opuszczenia Worka Turoszowskiego: pociągiem w kierunku Zgorzelca (polska część Görlitz), samochodem lub autobusem w kierunku Zgorzelca albo do NRD przez przejście graniczne Sienawka-Zittau. Granicy z Czechosłowacją w czasach komunizmu nie można było w tym rejonie przekroczyć. Przekroczenie granicy do NRD wiązało się niemal przez cały okres istnienia PRL z dużymi biurokratycznymi utrudnieniami. Wyjątek stanowił okres 1972–1980, kiedy obywatele Polski i NRD mogli odwiedzać sąsiednie państwo jedynie z dowodem osobistym, bez paszportu i oficjalnego zaproszenia. Po powstaniu w Polsce ruchu „Solidarność“ latem 1980 roku i rozpoczęciu okresu liberalizacji politycznej, rząd NRD jednostronnie wprowadził pod koniec października tego samego roku obowiązek posiadania paszportu i wizy. Granica ponownie stała się wówczas trudną do pokonania barierą.
Po upadku komunizmu, w związku ze zniesieniem ograniczeń w podróżowaniu, otwarto dwa przejścia graniczne do Republiki Czeskiej (Bogatynia-Kunratice i Porajów-Hrádek nad Nisou) oraz kolejne przejście do zjednoczonych Niemiec (Porajów-Zittau). Oprócz ogólnie dostępnych przejść funkcjonowały również liczne przejścia dla małego ruchu granicznego, z których mogli korzystać wyłącznie mieszkańcy polsko-czeskiego lub polsko-niemieckiego pogranicza.
Wraz z przystąpieniem Polski i Republiki Czeskiej do Unii Europejskiej 1 maja 2004 roku zniesiono kontrole celne, choć przy przekraczaniu granicy nadal należało okazać paszport lub dowód osobisty. Od momentu włączenia obu państw do strefy Schengen 21 grudnia 2007 roku granicę z Niemcami i Czechami można przekraczać w dowolnym miejscu, bez kontroli. Od tego czasu Worek Turoszowski otoczony jest granicami, które nie stanowią już żadnej przeszkody. Przejścia graniczne utraciły swoją pierwotną funkcję i w większości zostały zlikwidowane.